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Wenn Jugendliche trauern

Symblbild: Trauer bei Jugendlichen
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Trauer ist schmerzhaft! Einen geliebten, nahestehenden Menschen zu verlieren, ist immer ein schmerzvolles und einschneidendes Erlebnis, das verarbeitet werden muss. Und das funktioniert nur, wenn wir trauern. Trauer ist ein Gefühl, ein Prozess, der unbedingt notwendig ist, um den Verlust in das eigene Leben zu integrieren und um wieder Platz für Freude zu schaffen.

Viele Erwachsene versuchen automatisch den Nachwuchs vor negativen Erfahrungen wie Tod und Trauer zu schützen und abzuschotten, weil sie ihm einfach jegliches Leid ersparen möchten. Dabei gehört der Tod doch zum Leben dazu und sollte nicht verschwiegen oder tabuisiert werden. Kinder und Jugendliche dürfen und sollen trauern – natürlich mit Unterstützung.

Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper vom Lavia-Institut für Familientrauerbegleitung in Gelsenkirchen hat in ihrer Arbeit mit trauernden Familien die Erfahrung gemacht, dass diejenigen Kinder, die Leid erleben, aber trauern dürfen und dabei Begleitung erfahren, oft als starke Menschen aus dieser Situation herausgehen.

Jugendliche trauern anders als Erwachsene

Mit der Pubertät beginnt für die Jugendlichen eine Phase der Veränderung: Neben der körperlichen Entwicklung ist die Pubertät ein Vorgang, der dazu führt, dass wir eigenständig werden. Kinder lösen sich im Laufe der Zeit aus der Obhut der Eltern, um selbstständig werden zu können und eigene Identitäten aufzubauen. Konflikte und schwer nachvollziehbare Reaktionen auf dem Weg dorthin gehören dazu: In der einen Sekunde werden Eltern mit Verachtung gestraft, in der anderen Sekunde benötigt der Nachwuchs Nähe, Zuspruch und Geborgenheit. Ein wahres Gefühlschaos, das die Pubertät auslöst!

Wenn Jugendliche in diesem Chaos einen nahestehenden Menschen verlieren, kommen zusätzlich noch die selbst oft schwer vorhersehbaren Reaktionen der Trauer hinzu. Mechthild Schroeter-Rupieper betont, dass es daher für Jugendliche nicht „die“ Trauerregeln gibt. „Wie Jugendliche in ihrer Trauer reagieren, ist abhängig von der Persönlichkeit und dem eigenen Temperament, vom Ereignis, das den Tod verursacht hat, und dem Bezug, den die Jugendlichen zum Sterbenden oder Verstorbenen hatten“, erklärt die Trauerbegleiterin.

Individuelle Trauerreaktionen

So fallen die Trauerreaktionen bei Jugendlichen völlig verschieden aus: Die einen schweigen, die anderen wüten, manche suchen das Gespräch, wiederum andere isolieren sich und schließen sich im Zimmer ein, ertränken die Trauer in Alkohol oder hören laute Musik. Wichtig ist, dass trauernde Jugendliche geduldige Menschen um sich haben, die gesprächsbereit sind, Unterstützung und Informationen anbieten, Verständnis für ihre Gefühlslage haben, sich aber ebenso für das Alltagsleben der Jugendlichen interessieren.

Über Trauer und Gefühle sprechen

Erziehungsberechtigte sollten Teenagern demnach ihre Gesprächsbereitschaft oder aber mögliche Gesprächspartner anbieten. Dass dieses Angebot immer dankbar angenommen wird, ist allerdings nicht so häufig der Fall. Denn gerade in der Pubertät möchten Jugendliche nicht zwingend mit ihren Eltern über emotionale Probleme sprechen oder sich von Ihnen trösten lassen. Vielleicht sprechen sie mit ihren Freunden über ihre Sorgen, aber auch das fällt ihnen häufig schwer.

Die Trauerbegleiterin rät in dieser Situation aber zu Geduld und macht die Situation anhand eines Beispiels deutlich: Der achtzehnjährige Matthias kam nach dem Unfalltod seiner Schwester zur Trauerbegleitung mit den Worten: „Also, ich bin nicht freiwillig hier. Ich mach das nur, weil meine Mama das so möchte. Und der kann ich im Augenblick nichts abschlagen. Wissen sie, ich mach das mit der Trauer wie mein Vater. Ich mach das mit mir selbst aus.“ Und danach redete er sich eine Stunde sämtliche Dinge rund um den Unfalltod seiner Schwester von der Seele. Und am Ende fand er das alles doch nicht so schlecht und wollte noch mal wiederkommen.

Jugendliche Trauer ist ein langer Prozess

„Außenstehenden gelingt es meist besser, Jugendliche zu einem Gespräch zu bewegen. Haben Sie Geduld. Viele Jugendliche benötigen Monate, manchmal sogar bis zu zwei Jahre, um über ihre Trauer, Fragen oder Ängste sprechen zu können“, betont die Trauerbegleiterin. „Es wäre wertvoll, wenn eine außenstehende erwachsene Bezugsperson den Jugendlichen regelmäßig kontaktiert und sich nach dem Befinden erkundigt. So haben die Trauernden immer wieder die Möglichkeit, Hilfsangebote anzunehmen und mit der gleichen Selbstverständlichkeit auch ablehnen zu dürfen.“

Weitere Tipps der Trauerbegleiterin

  • Jugendliche benötigen Informationen über den bevorstehenden oder eingetretenen Tod, über Todesursachen und begleitende Umstände.
  • Respektieren Sie die bereits erwähnten eigenen Ausdrucksweisen. Nur wenn Äußerungen oder Reaktionen verletzend, auch selbstverletzend sind, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Schule, Praktikums- oder Lehrstellenbetriebe müssen informiert werden.
  • Viele Schülerinnen und Schüler werden vorübergehend oder über eine längere Zeit Leistungseinbrüche in der Schule haben. Sprechen Sie mit den Lehrern darüber, damit diese darauf vorbereitet sind.
  • Suizidgedanken können in dieser Situation eine normale Reaktion sein. Durch einen als sinnlos empfundenen Tod kann auch das eigene Leben vorübergehend als sinnlos angesehen werden. Bleiben Sie im Gespräch mit dem Jugendlichen. Bleiben diese Gedanken bestehen oder jagen dem Jugendlichen selber Angst ein, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.
  • Männlichen Jugendlichen sollten Sie einen Mann zur Seite stellen, der deutlich machen kann, wie er mit seiner Trauer umgeht. Denn auch Trauerausdruck braucht Vorbilder und muss erlernt werden.
  • Ausdrucksmöglichkeiten wie Tagebuchschreiben sowie Briefe an den Verstorbenen zu verfassen, sind manchen Trauernden eine Hilfe.
Julia Schröder
Julia Schröder
Author: Julia Schröder

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