Das Familienmagazin fürs Ruhrgebiet

Jugendtrauergruppen im LaviaHaus

Hier im LaviaHaus in Gelsenkirchen treffen sich regelmäßig Jugendtrauergruppen
Bildnachweis: Mechthild Schroeter-Rupieper

In allen Trauerfällen können Kinder- und Jugendtrauergruppen eine enorme Unterstützung sein. Einige Hospize, Beratungsstellen oder professionelle Trauerbegleiter bieten solche Gruppen an. Erkundigen Sie sich in ihrer Stadt und fragen auch beim Jugendamt danach.

Als klar war, dass wir dieses wichtige Thema in dieser REVIERteens-Ausgabe behandeln möchten, habe ich mich sofort an Mechthild Schroeter-Rupieper gewandt. Schon vor drei Jahren haben wir für den Artikel „Wenn Kinder trauern“, der im REVIERkind Magazin erschienen ist, zusammengearbeitet.

Zu Besuch bei einer Jugendtrauergruppe

Um mir einen Eindruck zu verschaffen, was überhaupt in so einer Jugendtrauergruppe geschieht, lud die Trauerbegleiterin mich kurzerhand ins neue, wunderschöne LaviaHaus nach Gelsenkirchen ein, um an zwei Trauergruppen teilzunehmen. Ehrlich gesagt, konnte ich mir bis dahin auch nicht wirklich vorstellen was mich dort erwartet. Ich hatte jedenfalls großen Respekt vor diesem Besuch und zugegebenermaßen auch ein wenig Angst!

Diese Angst war jedoch direkt nach Betreten des Hauses verflogen. Kathrin Wittke, die gemeinsam mit Mechthild Schroeter-Rupieper die Jugendtrauergruppen leitet, führte mich direkt in die gemütlich eingerichtete Wohnküche des Hauses. Dort saßen auch schon zwei Jugendliche an einem großen Holztisch, der mit allerlei köstlichen Leckereien gedeckt und mit ein paar schönen Sonnenblumen dekoriert war – ein Ort, an dem man sich direkt wohl und heimisch fühlt.

Nach und nach trudelten weitere Jugendliche ein, bis wir dann mit insgesamt neun Personen am Tisch saßen und uns erst mal darüber unterhielten, was in den Sommerferien so ansteht. Dann startete die Vorstellungsrunde mit einem eigens von Lavia kreierten Gefühls-Baustein. Auf allen sechs Seiten des Steins befinden sich verschiedene Symbole, die für unterschiedliche Gefühle stehen, beispielsweise ein Smiley, eine Sonne oder Punkte. Der Gefühlsstein geht zu Beginn jeder Gruppensitzung reihum und alle beschreiben anhand eines Symbols auf diesem Stein, mit welchem Gefühl sie an diesem Tag an der Trauergruppe teilnehmen.

Die Vorstellungsrunde

Da am Tag meines Besuchs auch ein Jugendlicher neu in der Runde war, stellten wir uns erst einmal alle vor. Von Beginn an war klar, dass ich mitmache und nicht zuschaue. Und so kam der Stein dann schließlich auch in meine Hände: „Ich bin Julia, 35 Jahre alt und habe meine Mama verloren, als ich 14 war. Heute bin ich mit der Sonne hier, weil ich mich riesig freue, heute hier sein zu dürfen, euch kennenzulernen und das Wetter einfach traumhaft ist.“ An diesem Tag waren fast alle mit der Sonne da – das lag neben dem schönen Wetter natürlich auch an den bevorstehenden Sommerferien.

Am Ende der Vorstellungsrunde wussten wir dann also auch alle voneinander, welcher Schicksalsschlag uns ereilt hat. Die einen haben ihre Geschwister durch einen Unfall, Suizid oder Krankheit verloren, die anderen ein Elternteil – aber eines haben alle gemeinsam: die Trauer um einen geliebten Menschen. Es wurde ziemlich schnell deutlich, dass es den einzelnen Jugendlichen wirklich gut tat, in einer Gruppe mit Gleichaltrigen, die Ähnliches erlebt haben, zu sitzen und über die verschiedensten Ereignisse, Problem und Gefühle zu reden.

Gemeinsam reden und verarbeiten

„Ich kann auch mit meinen Freunden reden, aber die verstehen ja gar nicht richtig, wie man sich fühlt, wenn man jemanden verloren hat. Und ich kann das auch nicht richtig erklären“, sagte ein Jugendlicher zum Beispiel. Und genau darum geht es hier: In der Trauergruppe erleben die Trauernden, dass sie nicht alleine mit ihren Gefühlen und Ängsten sind. Sie können offener reden und fühlen sich verstanden. Die Verluste werden dort gemeinsam verarbeitet.

Im Laufe des Mittags haben die beiden Trauerbegleiterinnen dann Teller mit verschiedenen Weingummi-Sorten vorbereitet und auf den Tisch gestellt. Jede Sorte stand dabei für eine andere Frage. Entschied man sich für die Weingummi-Schnüre, sollte man darauf antworten, ob nach einer traurigen Sache wieder eine Glückssträhne da sein und genossen werden kann. Die beliebteste Frage war allerdings die der Weingummi-Frösche: „Gibt es eine Auferstehung nach dem Tod, leben die Toten irgendwie weiter?“ Die verschiedensten Vorstellungen trafen dabei aufeinander und es war wirklich spannend, zuzuhören und gemeinsam darüber zu reden.

Mit Sonne und Smiley nach Hause gehen

Danach wollte ich noch eines wissen: „Wie seid ihr alle zu dieser Gruppe hier gekommen beziehungsweise, woher wisst ihr, dass es diese Gruppe hier gibt?“ Die meisten wurden von ihren Eltern gefragt, ob sie nicht mal an der Trauergruppe teilnehmen möchten. Nach anfänglicher Skepsis – hauptsächlich von Seiten der männlichen Jugendlichen –  sind dann aber doch alle gerne wiedergekommen und gehen auch weiterhin gerne einmal wöchentlich ins LaviaHaus. Am Ende der Trauergruppe ging erneut der Gefühlsstein umher. Es gingen alle mit der Sonne oder dem Smiley nach Hause.

Fazit meines Besuchs

In einer Jugendtrauergruppe bekommen die Jugendlichen Raum, um sich mit ihrer Trauer zu beschäftigen. Hier darf und kann alles besprochen werden, was sie nicht mit der Clique oder ihrer Familie bereden wollen oder können. Nach der Teilnahme an zwei Trauergruppen kann ich dieses Angebot zur Unterstützung der Trauerbewältigung wirklich jedem wärmstens ans Herz legen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen zu trauern und über Sorgen, Ängste und Erinnerungen zu reden, hilft ungemein.

Julia Schröder


Mechthild Schroeter-Rupieper bietet bei Lavia, dem Institut für Familientrauerbegleitung in Gelsenkirchen, Hilfe bei Trauer von Jugendlichen und Schülern im Ruhrgebiet (NRW). Die Teilnahme an der Trauergruppe ist dank der Unterstützung des Fördervereins Trauerbegleitung e.V. kostenlos. Wer den Förderverein durch eine Mitgliedschaft oder eine regelmäßige Spende unterstützen möchte, kann dies unter lavia-trauerbegleitung.de tun oder hier spenden:

Lavia e.V.
Sparkasse Gelsenkirchen
IBAN DE18 4205 0001 0160 1452 79
Bank im Bistum Essen
IBAN DE39 3606 0295 0014 0940 16

 

Medientipps:

Für immer anders: Das Hausbuch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds /Mechthild Schroeter-Rupieper / Patmos Verlag / ISBN: 978-3843602457 / 16,99 €

Geschichten, die das Leben erzählt, weil der Tod sie geschrieben hat / Mechthild Schroeter-Rupieper / Patmos Verlag / ISBN: 978-3-8436-0882-4 / 17 €

Julia Schröder
Author: Julia Schröder

Diesen Beitrag teilen:
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on email

Das könnte Sie auch interessieren:

Kalender
Loading...