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Kinder, Kohle und Konsum

„Oh, das ist toll, neu, lecker, bunt – das brauche ich unbedingt, das müssen wir unbedingt kaufen!“ Kinder werden in der heu­tigen Konsumwelt mit Angeboten und Produkten nur so überhäuft. Sich diesen Reizen zu entziehen, ist kaum möglich. Dass nicht alles, was die Sprösslinge ganz dringend und unbedingt mit nach Hause nehmen wollen, von den Eltern gekauft wird, sorgt mitunter für Frust beim Nachwuchs. Da hilft es, wenn man das Thema Geld und Konsum gemeinsam mit den Kindern in den Alltag integriert.

Lass uns über Geld sprechen!

Aber wie war das doch gleich? „Über Geld spricht man nicht“, haben uns unsere Großeltern doch mit auf den Weg gegeben. Unsinn! Auch wenn sich dieser Spruch fest eingebrannt hat, sollte man ihn getrost aus dem Gedächtnis verbannen. Insbesondere, wenn es um Kinder und ihr Verhältnis zum Geld geht, muss das Thema aus der Tabuzone ge­holt und selbstverständlich und regelmäßig besprochen werden. Wie sonst sollen Kinder verstehen, dass der Dukatenesel aus dem Märchen „Tischlein, deck dich“ nicht im Keller der Eltern versteckt ist und sich Geldscheine und Münzen nicht von alleine vermehren?

In der Praxis bedeutet das, Kinder beim Thema Geld nicht außen vor zu lassen, sondern sie dort einzubinden, wo es sinnvoll erscheint. Zum Beispiel beim regelmäßigen Einkauf. Der gute alte „Kaufmannsladen“ kann da als spielerischer Einstieg dienen. Falls der als Spielzeug dann doch eher zu langweilig und „uncool“ ist, geht es ab ins „echte“ Le­ben. Viele Discounter haben sich längst auf die jüngsten Konsumen­ten eingestellt und bieten kindgerechte Einkaufswagen an. Sie helfen dabei, Eigenverantwortung für den Einkauf zu übernehmen. Dass da allerdings nicht nur die leckeren, bunten Süßigkeiten und das tolle neue Spielzeug hineingehören, werden die Kids schnell erfahren. Mithilfe der Eltern können sie praktisch lernen, welche Produkte zwingend notwen­dig sind: Nahrungsmittel, Hygieneartikel oder Putzmittel. Eltern und Kinder können gemeinsam Preise vergleichen und nach dem Einkauf besprechen, wieviel man bezahlt hat. Den vernünftigen Umgang mit Geld vorzuleben, lautet dabei die Devise.

Taschengeld – ohne wenn und aber!

Die Kinder mit in den Einkauf einzubinden, ist die eine Sache; ihnen die Verantwortung für das eigene Geld zu übertragen, die andere. Doch für den richtigen Umgang mit den Finanzen ist das regelmäßige Taschen­geld eine Grundvoraussetzung. Und zwar ohne wenn und aber, sozusa­gen als „bedingungsloses Grundeinkommen“. Taschengeldentzug als Strafe macht auf dem Weg zu einem „Finanzprofi“ wenig Sinn, schließlich sollen die Kinder lernen, zu planen und mit dem Geld umzugehen. „Das Taschen­geld muss eine verlässliche Größe darstellen und darf nicht an Bedingungen geknüpft werden“, raten die Finanzexperten der Sparkasse Bochum. Also: Es gibt Taschengeld, egal ob der Nachwuchs zu spät nach Hause gekommen ist, die Noten in der Schule eher mäßig sind oder die frechen Widerworte gemaßregelt werden wollen. „Es ist wichtig, dass Kinder etwa ab dem sechsten Lebensjahr regelmäßig Taschengeld bekommen. Nur so lernen sie, nachhaltig mit Geld umzugehen.“

Regeln beim Umgang mit dem eigenen Geld sind dabei nicht nur erlaubt, sondern zwingend notwendig. Einen Kredit wie bei einem Geldinstitut gibt es nicht. Ist das Geld bereits vor dem Monatsende verbraucht – Pech gehabt! Da heißt es warten, bis das nächste Taschengeld in die Geldbörse wandert. Auch Vorschüsse werden nicht gezahlt. „Kinder müssen lernen, ihr Geld einzuteilen oder für größere Wünsche zu sparen.“

Wo ist nur mein Geld geblieben?

Was tun, wenn Sohn oder Tochter das mit der Planung und dem Ein­teilen so gar nicht hinbekommen und das Taschengeld in kürzester Zeit verprasst worden ist? Auch hier schafft das Besprechen des Problems Ab­hilfe. Gemeinsam sollten Eltern und Kinder einen Blick auf die Ausgaben werfen und herausfinden, wofür das meiste Taschengeld draufgeht und wo es Einsparmöglichkeiten gibt.

Als Hilfsmittel dient hier ein Taschengeldplaner. Bestens vermittelbar, wenn der Haushaltsvorstand mit gutem Beispiel vorangeht und selbst ein Haus­haltsbuch führt. Jede Ausgabe wird darin notiert und am Ende der Woche oder des Monats – je nachdem, in welchem Rhythmus Taschengeld gezahlt wird – wird Bilanz gezogen. So verschafft man sich einen guten Überblick und findet auch die kleinen Ausgaben, die nicht zwingend notwendig sind und heimlich, still und leise das Taschengeld „auffressen“. Eltern müssen sich dabei nicht scheuen, ihren Kindern zu offenbaren, dass auch sie hier und da in finanzielle Engpässe geraten. Und dass es Sinn macht, Rücklagen zu bilden, falls einmal unvorhersehbare Ausgaben anstehen.

Ein Sparplan für die großen Wünsche

Das coole Skateboard, das spannende Computerspiel, die geniale digitale Kinderkamera oder das tolle Barbie-Set – selten reicht das Taschengeld aus, um sich größere Wünsche zu erfüllen. Sparen heißt da das Zauberwort. Auch das müssen Kinder lernen, sollen sie nicht später in die Schuldenfalle tappen. Gut, wenn auch hier die Erwachsenen den positiven Umgang mit Geld vorleben und nicht bei jeder etwas größeren Anschaffung den Konsumkredit in Anspruch nehmen oder das Konto überziehen, sondern Geld zurücklegen, um sich den Herzenswunsch zu erfüllen. „Für Ihr Kind ist es wichtig, selber zu erleben, dass nicht alle Wünsche sofort realisierbar sind“, so der Expertentipp.
Die gute alte Spardose hilft zusammen mit einer Wunschliste und einem Sparplan, das große Ziel zu realisieren. Alternativ gibt es für Kinder zwischen sechs und elf Jahren bei verschiedenen Geldinstituten bereits Sparkonten, auf die Kinder regelmäßig einen Geldbetrag einzahlen können. So werden sie schon frühzeitig an den Umgang mit Konten und Geldinstituten herangeführt.

Vom Taschengeld zum Budgetgeld

Nähern sich die Kinder dem Teenageralter, können Eltern gemeinsam mit ihnen den nächsten Schritt gehen, damit sie noch eigenständiger mit Geld umzugehen lernen. Über das Taschengeld hinaus kann der Haushaltsvorstand einen weiteren Betrag festlegen, mit dem ihr Sprössling Dinge, die zu seinem Alltag gehören, selbst bezahlt. Dazu gehören die Kleidung, Handykosten, Schulmaterialen oder ähnliches. Auch hier ist es wichtig, dass das Kind entscheidet, was es kauft und wie viel es für welchen Posten ausgibt. „Dieses Budgetgeld ist eine gute Vorbereitung für das Leben, das auf die jungen Menschen wartet, nachdem sie das Elternhaus verlassen haben. Außerdem ist eigenes Geld für das Kind auch entspannter für die ganze Familie. Diskussionen um Geld für neue Klamotten oder Aktivitäten mit Freunden fallen so nämlich weg“, erklären die Finanzexperten der Sparkasse.

Geschulter Blick aufs Kaufverhalten

Wenn sich Kinder und Jugendliche zu kleinen Finanzexperten entwickelt haben, bleibt immer noch die große Herausforderung, der riesigen Waren- und Werbewelt die Stirn zu bieten. Die große bunte Glitzerwelt mit ihrem überbordenden Angebot übt einen nahezu unwiderstehlichen Reiz aus. Kinder werden als Konsumenten für den Handel immer wichtiger. Um ein vernünftiges Kaufverhalten zu erlernen, liegt die Verantwortung und Vorbildfunktion zuallererst bei Eltern und Familie. Es gilt, das eigene Kaufverhalten zu überprüfen, denn Kinder schauen sich das Verhalten ihrer Eltern ab und übernehmen es – auch oder vor allem das Konsumverhalten. Selbst wenn Kinder eigenverantwortlich die Entscheidung treffen, für was sie ihr Geld ausgeben, sollten Eltern an dieser Stelle genau hinschauen. Die Art und Weise kann durchaus ein Zeichen für tiefer liegende Probleme sein. Konsum kann innere Leere, Frust und Stress kompensieren. Der unbedingte Zwang, teure Markenartikel zu kaufen, ist ein Zeichen, mithalten oder sich selbst aufwerten zu wollen. Und sollten sich Anzeichen einer Kaufsucht bemerkbar machen, ist nicht mehr das Produkt, sondern das Kaufen selbst das befriedigende Erlebnis. Ein fehlendes Selbstwertgefühl mag als Ursache ausgemacht werden. In allen Fällen sollten bei den Eltern die Alarmglocken schrillen und mitunter professionelle Beratung eingeholt werden.

Andrea Schröder

 

 

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