Das Familienmagazin fürs Ruhrgebiet

Reisetipp: Ein Wochenende in Drenthe

Reisetipp: Ein Wochenende in Drenthe: Schafe auf der Weide
Bildnachweis: Nicola Wirtz

Ein Wochenende in Drenthe – der Urregion der Niederlande

Unsere Erkundungstour auf dem größten natürlichen Spielplatz des Landes

Weitläufige Natur wie Moore, Wälder und Heidelandschaften sind das Kennzeichen des Teils der Niederlande, der auch als Urregion bezeichnet wird und zu vielen Outdoor-Aktivitäten einlädt. Sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad lassen sich drei Nationalparks und wunderschöne Landschaften entdecken. Dementsprechend nennen Einheimische die Region auch gerne den „coolsten natürlichen Spielplatz der Niederlande“. Was dieser zu bieten hat, haben wir ein Wochenende lang für euch getestet.

De Schildhoeve

Zu Beginn unserer kleinen Reise wurden wir direkt im De Schildhoeve in Fluitenberg kulinarisch begrüßt. Das Restaurant bot uns ein köstliches Menü, das aus regionalen Lebensmitteln gekocht wurde. Ein schmackhafter Einstieg ins Wochenende!

Anschließend ging es dann zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Umgeben von Weiden waren wir in einer Acker Lodge untergebracht. Die auf Pfählen angelegten kleinen Häuschen boten uns bereits zum Frühstück einen außergewöhnlichen Blick über die Weiden und einer grasenden Schafsherde. Mit zwei Zimmern, einem kleinen Bad und einer kleinen Küchenzeile ausgestattet, war diese Unterkunft genau richtig für ein schönes Wochenende.

 

Acker Lodge
Schäfer und Schafherde

Unsere Neugier nach den für Drenthe typischen Weideschafen war geweckt und so hatten wir frühmorgens schon eine Verabredung mit einer großen Schafherde und dem dazugehörigen Schäfer in einem der drei im Nationalparks Dwingelderveld in der Stadt Ruinen. Schon von weitem hörten wir ein unglaublich lautes Geräusch, das eher ein Dröhnen war, und sich nicht so recht einordnen ließ. Am Schafpferch angekommen wurde uns schnell klar, dass das Dröhnen das Geblöke von hunderten Schafen war, die in dem Pferch darauf warteten, endlich in die Heidelandschaft laufen zu dürfen. Nach einer kurzen Begrüßung öffnete der Schäfer die Pforten und eine Flut an großen und kleinen Heideschafen strömte aus dem Pferch. Umringt von der Schafherde standen wir dann mitten auf der Heide, um vom Schäfer einige interessante Dinge über die Haltung der Tiere und das Leben mit den süßen Fellknäueln zu erfahren. Er berichtete uns von der Rolle des weiblichen Leitschafs in der 650 Tiere umfassenden Herde und wie Schafe über das Blöken Kontakt zu anderen Herdentieren halten. Klar, dass auch die Bedeutung von Schafen für die Natur und Landschaftspflege erwähnt wurde. Denn Schafe sind nicht nur spannende Tiere, sondern auch die vermutlich besten natürlichen Rasenmäher, die es gibt. Besonders beeindruckend war auch, zu beobachten, wie der Schäfer die Hirtenhunde anleitet. Wer dieses schöne Erlebnis, den Schäfer bei seiner Arbeit zu beobachten, gerne selber erfahren möchte, der kann sich im Vorfeld melden und eine Führung buchen. Das Losziehen und Heimkehren der Schafe kann man allerdings auch ohne Anmeldung mitverfolgen. Die Zeiten dazu werden auf der Webseite bekanntgegeben.

 

Nature Game

Frischluft macht bekanntlich hungrig und so kehrten wir zum typischen Pfannkuchenessen in De Bospub ein. In dem direkt am Waldrand des Nationalparks gelegenen Gasthaus konnten wir zur großen Freude der Kinder die hausgemachten Klassiker genießen. Wer keine Pfannkuchen mag, findet auf der Speisekarte selbstverständlich noch andere Speisen. Nach der kleinen Stärkung machten wir ein Nature Game und gingen auf Entdeckungsreise im Nationalpark Dwingelderveld. Ausgestattet mit einem Tablet, wurden wir über eine virtuelle Schatzkarte geleitet. Der Kompass wies uns dabei den Weg durch die wunderschöne Natur. Unterwegs erwarteten uns immer wieder kurze Filme, Rätsel und interaktive Spiele, die uns die Geschichte und Wissenswertes dieser Region nahebrachten – eine tolle Kombination aus interaktivem Abenteuer und Zeitreise, bei der die Erwachsenen die atemberaubende Landschaft genießen konnten, während die Kinder mit dem Lösen der Rätsel beschäftigt waren oder den spannenden Geschichten über den Nationalpark lauschten.

Villa Kalkoven

Und da wir auch hier wieder viele Schritte zurückgelegt hatten, ging es für uns direkt im Anschluss zur Villa Kalkoven, die ihrem Namen alle Ehre machte. Die Tische des Restaurants befinden sich tatsächlich in alten umgebauten Kalköfen. Zu diesem besonderen Ambiente bietet die Speisekarte viele ausgefallene Gerichte mit dem Schwerpunkt auf Lokalität und Nachhaltigkeit.

Gefängnismuseum

Müde und satt freuten wir uns schon wieder auf unsere Schafe, die uns bei unserer Ankunft in unseren Lodges erneut mit einem leisen Blöken begrüßten. Am nächsten Morgen mussten wir allerdings feststellen, dass – im Gegensatz zu uns – einige Schafe richtige Langschläfer sind. Mit einem riesigen Frühstückskorb von Rosa von Het Ambacht Ruinerwold, die vor allem frische und regionale Produkte direkt in die Lodges liefern, starteten wir gemütlich in den Tag. Unser Sonntagsprogramm startete dann mit einer Fahrt nach Veenhuizen. In der Region wurden im frühen 19. Jahrhundert Kolonien gegründet, in denen man versuchte, Landstreicher und Bettler zum Arbeiten in den Landbaukolonien zu bringen, indem man ihnen im Gegenzug ein Heim, Bildung und medizinische Versorgung versprach. Koloniebewohner, die sich nicht an die Regeln hielten, wurden ab 1823 in die Zwangskolonie Veenhuizen geschickt, wo sich heute das Nationale Gefängnismuseum befindet. Dort findet man nicht nur alles über die Geschichte der Kolonien, sondern erfährt auch viel Wissenswertes über Straftaten und Bestrafung im Wandel der Zeit. Wie es sich anfühlt, in einer Zelle zu sitzen, als Richter im Gerichtssaal zu thronen, wie man selbst auf einem Fahndungssteckbrief aussehen würde oder wie sich Zelleninsassen während ihres Aufenthaltes die Zeit vertrieben haben – das alles erfährt man in den Ausstellungsräumen. Besucher können zudem für einen kleinen Aufpreis eine Fahrt mit dem Gefängnisbus machen.

Kulinarisch fehlte uns an diesem Wochenende natürlich noch etwas auf unserer Liste – frische „Friet“. Die gab es dann bei Piepers en Paupers zusammen mit anderen Klassikern der holländischen Snack-Küche. In einer ehemaligen Mühle auf dem Gelände einer Brauerei werden hier die ganzen Kartoffeln samt Schale frisch zu Pommes verarbeitet. Absolut köstlich!

Hunenbed Centrum

Gestärkt machten wir uns auf, um mehr über die prähistorische Geschichte des Hondsruggebietes zu erfahren – es ging also für uns zum Hunebed Centrum in Borger, denn dort befindet sich das landesweit größte Hünengrab. Die Hünengräber zählen aufgrund ihrer Größe zu den ältesten und eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten aus Stein der Niederlande. Dabei wiegt ein Stein oft so viel wie vier Elefanten. Natürlich hat man damals zum Erbauen keine Maschinen zur Verfügung gehabt. Aber wie haben die Hünengraberbauer es dann geschafft, diese riesigen Steine zu bewegen oder gar zu diesem Gebilde zu schichten? Genau das durften wir im angrenzenden Museum erfahren, wo nicht nur die Bauweise erklärt wird. Wir durften uns auf eine Reise durch frühgeschichtliche Zeiten begeben und alles über die Welt und das Leben der Hünengraberbauer in dieser Region entdecken. Dabei gab es viele interaktive Mitmach-Stationen, an denen sich unsere Kinder ausprobieren und vieles lernen konnten. Sämtliche Erklärungen sind sowohl in Englisch als auch in Deutsch vorhanden.
Im Außenbereich – dem Urzeitpark – erwarteten uns dann verschiedene Behausungen der Urmenschen aus dem Hondsruggebiet – von der Eiszeit bis zur Eisenzeit. Und auch ein paar Urmenschen selber waren zugegen. Originalgetreu gekleidet standen sie den Besuchern für weitere Fragen zur Verfügung, haben Geschichten erzählt und uns gezeigt, wie die Menschen in dieser Zeit gelebt haben. Von den Hütten aus Lederhäuten aus der Eiszeit bis zum Bauernhof aus der Eisenzeit – anhand der unterschiedlichen Behausungen kann der Entwicklung der Menschen zugeschaut werden. Zudem gab es einen großen Barfußweg, auf dem wir erleben durften, wie sich die unterschiedlichen Bodenbegebenheiten in Drenthe anfühlen, denn genau diese Materialien, wie z.B. Muscheln, Kies, Holz, Tannenzapfen, Steine und Sand, sind in der Provinz von alten Flüssen, Eiszeiten und in der Natur zurückgelassen worden.
Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir die Umgebung gerne noch zu Fuß oder mit dem Rad erkundet. Über eine App kann man sich viele Wanderrouten und Fahrradtouren heraussuchen und auf eine multimediale Tour gehen, bei der man noch zusätzliche Informationen anhand von Bildern, Audios und Videos zu den Hünengräbern erhält.
Aber da uns das Wochenende so sehr gefallen hat, war es bestimmt nicht unser letzter Besuch in Drenthe!

Tot ziens – wir kommen gerne wieder!

Weitere Infos:

Acker Lodges, Ruinerwold – www.acker-lodges.nl
De Schildhoeve – www.deschildhoeve.nl
Spaziergang mit dem Schäfer, Ruinen – www.schaapskudderuinen.nl
De Bospup, Lhee/Dwingeloo – www.bospub.nl
The Nature Game Drenthe, Spier – www.thenaturegame.nl/de
Villa Kalkoven, Fluitenberg – www.villakalkoven.nl
Gefängnismuseum, Veenhuizen – www.gevangenismuseum.nl/de
Piepers en Paupers, Veenhuizen – www.piepersenpaupers.nl
Hunebed Centrum, Borger – www.hunebedcentrum.eu
Drenthe – www.besuchdrenthe.de

 

Weitere Reise- und Freizeittipps gibt es hier.

Julia Schröder
Author: Julia Schröder

Diesen Beitrag teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

ANZEIGE
Kalender
Loading...